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HackFwd wird eingestampft / Team Europe Ventures ändert seine Strategie – ist die Party bald vorbei?

Überraschend erscheint es nicht, dass jetzt mehr und mehr der Glücksritter des Internets die Segel streichen. Erschien vielen doch der Reiz sehr groß mit dem kleinen Euro die schnelle Mark machen zu können. Bereits 2009 gab es hierzu einen spannenden Artikel auf netzwertig.com:

Neue Zahlen in einem Artikel von Forbes Magazine zeigen nun, dass es um die VC-Branche in Wahrheit ziemlich schlecht steht. Selbst grosse Funds mit klingenden Namen tun sich seit Jahren schwer, den hohen Erwartungen ihrer Investoren gerecht zu werden. Harvard-Professor Joshua Lerner analysierte das verfügbare Datenmaterial bis 1976 zurück und kam zu bedenklichen Schlüssen.

Ernüchternd ist die Performance über die ganze VC-Branche hinweg: Der Median der VC-Renditen lag bei gerade 5%. Das hätte man selbst mit fast risikofreien Staatsanleihen verdienen können. Und ganz düster sieht die Leistung seit 2000 aus, also seit dem Höhepunkt der Dot-Com-Bubble: -1% lautet die Renditezahl, die VC-Branche hat seit acht Jahren also nur Geld vernichtet. Und das sind wohlgemerkt Medianzahlen, die Hälfte der Firmen hat also schlechter performt als diese Werte. Für den europäischen Markt haben wir bisher keine vergleichbaren Zahlen gefunden, aber man kann aufgrund der historisch weniger starken Börsenhypes davon ausgehen, dass da die Lage sogar noch bitterer aussieht.

Das akute Problem: VC-Fonds laufen typischerweise über einen Zeitraum von 10 Jahren. Während der Bubble 1998-2000 wurden enorm viele neue VC-Firmen gegründet, und die bestehenden bauten ihre Bestände aus. In Zahlen: 1997 verwalteten die amerikanischen VCs noch 64 Milliarden Dollar, heute sind es 257 Milliarden. All diese relativ neuen VC-Firmen müssen ihren Investoren schon bald abschliessende Rechenschaft ablegen, und das wird für die meisten schlecht aussehen.

Wer ein wenig Einblick in diesen Sektor hat, der weiss, dass diese 10 Jahres Zyklen gewiefte VC-Manager gut zu kaschieren wissen, indem sie entweder neue Fonds auflegen, schlechte Firmen dahin auslagern oder sich untereinander verkaufen und somit ein perpetuum mobile erfunden zu haben scheinen. Das Ganze hat schon ein bisschen was von einem Schneeballsystem. Aber auch das beste Schneeballsystem gerät irgendwann ins Stocken – vor allem dann, wenn kein neues Geld nachkommt.

Waren früher die sog. Old Economy Firmen gern bereit mehr oder minder gut geratene Internetfirmen von sog. Inkubatoren zu überteuerten Preisen abzukaufen, so hat diese Praktik den einen oder anderen großen fast an den Rand des Ruins getrieben und andere, die das ganze Treiben erst einmal abwartend beobachtet haben, betreten jetzt erst die Bühne und versuchen selbst ihre Geschäftsmodelle ins Internet zu übertragen.

Auf jeden Fall eine spannende Entwicklung. HackFwd wird nicht der letzte Inkubator sein, der den Markt wieder verlässt. Und ich schätze Lars Hinrichs als klug genug ein, frühzeitig unrentable Spielfelder zu verlassen. Es kann sehr gut sein, dass mit dem Platzen weiterer Finanzblasen, die u.a. aus Fernost drohen, auch die Party für all die vermeintlich hippen und innovativen VCs in Europa und US bald vorbei sein wird. Es wird auf jeden Fall spannend!